Hitze in der Stadt: Heißer als das Thermometer verrät

Hohe Temperaturen sind nur die halbe Wahrheit: In dicht bebauten Städten wirkt Hitze deutlich extremer.

Städtische Wärmeinseln (UHI) beschreiben das Phänomen, dass es in urbanen Gebieten deutlich wärmer ist als im Umland. Eine zusätzliche Herausforderung in Zeiten zunehmender globaler Temperaturen (Schäfer et al., 2025). Wenn im Sommer das Thermometer in Städten wie Frankfurt, oder anderen dicht bebauten Städten, hohe Werte anzeigt, ist die tatsächliche Belastung für die Stadtbevölkerung im Vergleich zum ländlichen Umland, jedoch oft noch deutlich größer. Herkömmliche Temperaturmessungen bilden das Ausmaß des urbanen Hitzestresses nur unzureichend ab.

Für den thermischen Komfort, also das subjektive Wärmeempfinden des Menschen, ist nicht allein die Lufttemperatur ausschlaggebend. Auch andere meteorologische Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Wind oder Luftfeuchtigkeit spielen eine entscheidende Rolle. Wer kennt nicht die erfrischende kühle Brise im Schatten oder die drückende Hitze an schwülen Tagen? Hinzu kommen individuelle Faktoren wie Bekleidung und Aktivitätsniveau, die in physiologischen Wärmebilanzmodellen berücksichtigt werden. All diese Einflüsse lassen sich in sogenannten thermischen Komfortindizes zusammenfassen. Davon gibt es eine Vielzahl, die die einzelnen Einflussfaktoren unterschiedlich gewichten. Ein vergleichsweiser einfacher Index ist der Humidex, der lediglich Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit kombiniert.

Die Studie von Krikau und Benz (2025) vergleicht verschiedene Hitzemetriken, darunter die Lufttemperatur, die Landoberflächentemperatur (LST) und den sogenannten Humidex, der auch die Luftfeuchtigkeit berücksichtigt. Für den Raum Hessen wurden Daten mit einer 1 km Auflösung aus den Jahren 2011 bis 2020 verwendet. Während die reine Lufttemperatur nachts im Untersuchungsgebiet Hessen einen städtischen Wärmeinsel-Effekt (Abb. 1) von maximal 2,9 °C gegenüber dem Umland aufweist, erreicht die Differenz beim Humidex bis zu 4,3 °C. Das bedeutet, dass sich die Hitze in dicht bebauten Gebieten deutlich stärker anfühlt, als es der Blick auf das Thermometer vermuten lässt. Besonders betroffen sind Bewohner in kompakten Stadtquartieren (Local Climate Zones 1–3). Hier kühlt es nachts kaum ab, was zu einem verlängerten Abkühlungsdefizit führt. Rund ein Drittel der hessischen Bevölkerung lebt in Gebieten, die sowohl tagsüber als auch nachts deutlich heißer sind als das ländliche Umland. Frankfurt am Main wurde dabei als der Landkreis mit der höchsten Hitzebelastung identifiziert.

Ein Kritikpunkt betrifft die Nutzung von Satellitendaten. Oft werden Oberflächentemperaturen aus dem All als Ersatz für fehlende Wetterstationen genutzt. Die Studie zeigt jedoch Grenzen auf: Während Satellitendaten sehr gut geeignet sind, um lokale Hotspots an extrem heißen Tagen zu identifizieren, eignen sie sich weniger gut, um die Dauer und Intensität ganzer Hitzewellen abzubilden. Das bedeutet: Ein roter Fleck auf der Satellitenkarte zeigt uns zwar, wo der Asphalt glüht, sagt aber wenig darüber aus, wie lange die stehende Hitze in der Luft verbleibt. Um die Gesundheitsrisiken für die Stadtbevölkerung realistisch einzuschätzen, reicht es nicht, nur auf die Lufttemperaturwerte / Landoberflächentemperatur zu schauen. Wer sich nur auf diese verlässt, übersieht einen großen Teil des Risikos, besonders in schwülen Sommernächten.

Abbildung 1: Die Abbildung zeigt die Intensitätsunterschiede zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum, basierend auf der Lufttemperatur (a) sowie dem Humidex (b). Eigene Darstellung, abgeändert nach Krikau und Benz (2025).

Krikau, S., Benz, S. (2025): Temporal and spatial patterns of heat extremes in Hesse, Germany. Environ. Res. Commun., 7, 051001, https://doi.org/10.1088/2515-7620/adce59.

Schäfer, A.M., Ludwig, P., Krikau, S., Benz, S.A., Mühr, B., Mohr, S., Kunz, M., 2025. The evolution of heat exposure in changing societies and a changing climate from 1960 to 2100. Front. Clim., 7, 1491695, https://doi.org/10.3389/fclim.2025.1491695.

Zugehöriges Institut am KIT: Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung (IPF)
Autoren: Svea Krikau, Susanne Benz (Februar 2026)